Materialien

Die vorliegenden Empfehlungen sind ein Ergebnis der bisherigen Arbeiten des Interdisziplinären Arbeitskreises Bewegungstherapie in der Psychiatrie. In der Akutversorgung und Rehabilitation in Deutschland werden Bewegung (und Sport) größtenteils funktionell begründet. Funktionelle Wirkungen spielen zwar in der therapeutischen Anwendung bei psychischen und psychosozial bedingten Erkrankungen eine Rolle, aber für diesen Adressatenkreis sind andere Wirkmechanismen im Sinne eines erweiterten Bewegungsbegriffs ebenfalls von großer Bedeutung. Hierzu gehören neben den funktionellen auch ‚sensible‘, soziale und symbolische Aspekte von Bewegungshandlungen, beispielhaft thematisiert an folgenden Frage –und Problemstellungen:

  • Wie kann es bei großer Niedergeschlagenheit oder Angst gelingen, eine innere und äußere ‚Aufrichtung‘ und Stabilisierung zu bewirken?
  • Wie wird das Gespür für den eigenen Körper, den Raum oder die Mitmenschen reaktiviert?
  • Wie kann ich mich in eine Gruppe integrieren?
  • Was bedeutet ein Sich- in- Bewegung- Setzen oder auch ein ‚Atemholen‘ für meine weitere Lebensgestaltung?
  • Wo kann ich nach der Akutbehandlung eine ‚Bewegungsheimat‘ finden?

Die therapeutische Anwendung dieses erweiterten Bewegungsbegriffs setzt bei den Therapeutinnen und Therapeuten über das Funktionelle hinausgehende Kompetenzen voraus. In vielen Fällen verfügen die in diesem Bereich tätigen Fachpersonen über Zusatzqualifikationen in Verfahren wie der Konzentrativen , Kommunikativen oder Integrativen Bewegungstherapie ,der Tanztherapie oder in achtsamkeits-,entspannungs– oder erlebnisorientierten Vorgehensweisen.

Die Akzeptanz von Empfehlungen und ihre Berücksichtigung in den Leitlinien der klinischen Fachgesellschaften und der Versicherungsträger werden in den letzten Jahren zunehmend mit der Frage der Evidenzbasierung verbunden. Hierunter wird in den meisten Fällen der Nachweis einer externen Evidenz auf der Basis von RCT’s verstanden. Dieser Nachweis ist für die funktionelle Seite der Bewegungstherapie in vielfacher Weise belegt: planvolle und ausreichend dosierte Bewegung hat positive Auswirkungen auf fast alle Bereiche des menschlichen Organismus. In Bezug auf störungsspezifische Auswirkungen der Bewegungstherapie im Sinne eines erweiterten Bewegungsbegriffs sind die Nachweise einer externen Evidenz weniger eindeutig. Es ist darum sinnvoll hier zusätzlich-wie es in dem Ursprungskonzept der Evidence based Medicine auch war-neben der externen Evidenz, die interne Evidenz und die Patientenbewertung (PrOs-Patient related Outcomes ) als Kriterium für die Wirksamkeit heranzuziehen.
Den hier vorliegenden Empfehlungen liegt insgesamt eine Evidenzorientierung zugrunde, die so weit wie möglich durch aktuelle Reviews, Metanalysen und Patientenerhebungen belegt wird.
Da national und international in den letzten Jahren mehrere Sammelwerke zur Bewegungs-bzw. ‘Exercise‘- Therapie (y) bei psychischen Erkrankungen erschienen sind, wird in den Empfehlungen nur ausnahmsweise auf einzelne Untersuchungen verwiesen.
Die vorliegenden Materialien wurden von Mitgliedern des Arbeitskreises zur Verfügung gestellt und können zu Ihrer Information und Verwendung eingesehen werden. Damit lässt sich z.B. in Ihrer Klinik leicht ein Konzept Bewegungstherapie ausarbeiten oder die Struktur der eigenen Arbeit überdenken.
Anregungen zur Erweiterung oder Überarbeitung sind willkommen. Gerne können auf Ihre Anregung hin weitere Punkte eingefügt werden, wie Ansprechpartner oder Netzwerkbildung für einzelne Schwerpunkte.

Kontakt

Svenja Raschmann
„Assistenz Regionaldirektion Alb-Neckar und Zentralbereich Pflege und Medizin.

Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Hauptstraße 9
88529 Zwiefalten


Telefon 07 373 10 - 38 34
E-Mail svenja.raschmann@zfp-zentrum.de
Web http://www.zfp-web.de

Gesellschaft:
ZfP Südwürttemberg
Anstalt des öffentlichen Rechts
Pfarrer-Leube-Straße 29
88427 Bad Schussenried
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